UN Resolution

Wessen Leiden zählt? | P.H. Bloecker bloeckerblog.com  ·  Essays zu Bildung, Literatur und gelebtem Leben Wessen Leiden zählt? Sklaverei, Holocaust und die gefährliche Arithmetik des Verbrechens von P.H. Bloecker New York, 25. März 2026 Die UN-Generalversammlung hat gestern eine Resolution verabschiedet, die den transatlantischen Sklavenhandel als das schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. 123 Staaten stimmten dafür. Drei dagegen: die USA, Israel und Argentinien. 52 Staaten enthielten sich — darunter alle 27 Mitglieder der Europäischen Union und Großbritannien. Die Resolution ist nicht binding. Sie ist politisch. Und ihr gefährlichstes Wort steht im Superlativ: das schwerste. Denn ein Superlativ impliziert eine Rangliste. Und eine Rangliste menschlicher Katastrophen stellt unweigerlich eine Frage, die in keinem Sitzungssaal laut ausgesprochen wurde, die aber jeder im Raum hörte: Ist der Sklavenhandel schlimmer als der Holocaust?Und darf man das überhaupt fragen? I. Frankl und Benjamin waren Juden Ich habe in den letzten Tagen über Viktor Frankl und Walter Benjamin geschrieben — zwei jüdische Intellektuelle aus dem deutschen Sprachraum, beide Opfer desselben Vernichtungsapparats, beide Zeugen der absoluten Grenze menschlicher Barbarei. Frankl überlebte Auschwitz. Benjamin starb auf der Flucht an der spanischen Grenze, in Port Bou, in der Nacht des 25. September 1940. Israel stimmte gestern mit Nein. Das ist kein Zufall. Der israelische Delegierte las denselben Subtext, den jeder aufmerksame Beobachter las: Die Formulierung schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist eine implizite Hierarchisierung. Und diese Hierarchie positioniert den…

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